Ziemlich genau einen Monat lang spiele ich nun “WAR” – es wird also Zeit für ein erstes Fazit. Hinter WAR verbirgt sich nicht nur das Akronym des vollständigen Spieltitels, sondern der Krieg ist auch das dominierende Spielthema des Fantasy-MMORPGs von EA Mythic (u.a. Entwickler von Dark Age of Camelot). An jeder Ecke kämpfen die Fraktionen der Ordnung und der Zerstörung um die Vorherrschaft in einer Welt, die zumindest auf den ersten Blick sehr an den Genre-König “World of Warcraft” (WoW) erinnert. In diesen Tagen kursieren auch die ersten ausführlichen Tests der Spieleportale im Netz (z.B. bei Gamespot oder IGN) – ich möchte Redundanz vermeiden und mich deshalb in den folgenden Zeilen vorrangig dem Interface widmen.
Es brauchte nur wenige Sekundenbruchteile nach Spielstart um festzustellen, dass mir vieles bekannt vorkommt. Bekannt aus WoW – wen wundert es. Mittig an der Bildunterkante findet sich die Aktionsleiste, die sich Level für Level mit neuen Fähigkeiten füllt. Minimap, Chat und Spielerporträts, Gruppendarstellung und viele andere Elemente in WAR ähneln ihren Entsprechungen in WoW sehr stark; selbst die Position der Elemente innerhalb des GUI (Graphical User Interface) stimmt in den meisten Fällen überein. Hat EA Mythic also gut geklaut?

Jein. Denn neben vielen gut kopierten Elementen, gibt es auch einige Interface-Bereiche, bei denen man sich WoW erneut als Vorbild gewünscht hätte. Es gibt aber auch ein paar sehr gelungene Features, die ich ab sofort in keinem Spiel mehr missen möchte. Repräsentativ werde ich ein paar ausgewählte Pros und Cons auflisten, die meinen Ersteindruck des Spiels geprägt haben.
Wenig gelungen ist in WAR das Handels-Interface für die Auktionshäuser. Dieses wirkt unnötig kompliziert und unübersichtlich – möglicherweise einer der Gründe, warum die Auktionshäuser (auf meinen beiden Servern) bis dato kaum genutzt werden.
Was mich zudem nervt sind die grafisch kaum unterscheidbaren Gegenstände im Inventar, wie beispielsweise Tränke. Ich habe zeitweise in dem Inventar meines Squig-Treibas mehr als ein Dutzend verschiedener Tränke gehabt, die sich – wenn überhaupt – nur durch geringe gelb-grün Nuancen unterschieden, aber alle unterschiedliche Effekte hatten, die sich jedoch nur durch Mouse-Over erkennen liessen. In diesen Momenten habe ich die farblich deutlich voneinander getrennten Tränke in WoW schmerzlich vermisst…

Ein weiterer Schwachpunkt des WAR-Interfaces ist der Login- und Logout-Prozess. Hier fehlt ein unmittelbares Feedback – nicht selten klicke ich mehrmals auf “Start”, um ins Spiel zu gelangen, da das Spiel z.T. ein paar Sekunden Reaktionszeit benötigt, um ein visuelles Feedback zu geben. Der Logout-Prozess wird nur im Chat angezeigt, so dass ich diese Information am Anfang komplett übersehen habe und mich deshalb keinerlei Feedback erreichte. Klickt man ein zweites Mal auf den “Ausloggen”-Button, so wird der Logout-Vorgang abgebrochen. Sehr lustig, wenn man ein paar Klicks braucht, um die Anzeige im Chat zu finden…
Dennoch gibt es auch einige Highlights im Interface-Design von WAR, die man ab sofort in WoW vermissen wird: Hervorgehobene Bereiche auf der Karte, die den Standort von Questgebern, Questzielen, Händlern etc. zeigen. Was in WoW nur teilweise über Addons abgedeckt wird, ist hier sinnvoll in das Interface integriert. Ich kann zudem von jedem Punkt der Spielwelt über 2 Buttons den Szenarien (PvP-Schlachtfelder außerhalb der Spielwelt) beitreten. Der Umfang des Inventars steigt in Abhängigkeit mit der Spielerstufe – ein Kaufen von zusätzlichen Taschen fällt weg. Der exzellente “Wälzer des Wissens” (aka “Tome of Knowledge”) bündelt alle Achievements des Spielers (man weiss als Goblin genau, wann man den 1.000ten Zwerg vermöbelt hat), Hintergrundinfos zu Quests und der Spielwelt und so coole Features, wie freigeschaltete Titel (z.B. “Der Pirat” = 100 gelootete Gegner; “Autsch,mein Auge!” = 100x selbst angeklickt).

Derzeit spiele ich – entgegen meiner ursprünglichen Planung – fast nur noch meine menschliche Hexenjägerin auf Seiten der Ordnung und vernachlässige meinen zu Release begonnenen Goblin-Squigtreiba. Die Ursache ist ein Interface-unabhängiges Problem: Auf fast allen Servern ist die Seite der Zerstörung deutlich in der Überzahl. Daraus folgt eine unendliche Beschäftigung für Ordnungs-Charaktere auf den Schlachtfeldern (Wartezeit teilweise unter 1 Minute), während die Zerstörungsseite in langen Warteschlangen hängt (2-3 Stunden). Da man durch die Schlachtfelder schneller levelt (und mir diese deutlich mehr Spaß machen), findet man mich bevorzugt mit Hut, Degen und Pistole im Kampf gegen das Chaos, während der Goblin-Treiba und seine Squigs eher selten zum Zuge kommen…
Fazit: WAR ist einer der wenigen Titel, der das Potential besitzt WoW dauerhaft Spieler abspenstig zu machen. Wer auf PvP-Action steht, wird hier wesentlich besser unterhalten als in WoW und die Welt wirkt deutlich düsterer und erwachsener als die bunte Comic-Welt des großen Konkurrenten. Bisher wurde ich gut unterhalten, aber ich habe nur die Gebiete bis Level 20 erkundet und vieles wartet noch darauf von mir entdeckt zu werden. Wenn dann auch noch die Tränke ordentlich eingefärbt werden, werde ich noch ein wenig mehr Zeit mit WAR verbringen…