Leipzig Tag 2: Games Summer Camp Part II

Der zweite Tag des Games Summer Camps startete mit zwei Vorträgen aus der Wirtschaft: Fabian Thiele von der Firma lbxgames referierte über die Entwicklung für das Nintendo DS und sprach über die besonderen Herausforderungen und Möglichkeiten, die der DS mit sich bringt. Im Anschluss berichtete Martin Richter von g.Labs über die stärkere Einbindung der Community in die Spieleentwicklung am Beispiel von Browser-Games und lieferte einige Ideen für die künftige Einbindung nutzergenerierter Inhalte und Spielsegmente. Interessant war für mich auch die Erkenntnis, dass AJAX mittlerweile eine wichtige Komponente bei der Entwicklung von Browser-Games ist, um Spielabläufe dynamischer gestalten zu können.

Die Studentin Maria Opitz berichtete danach über Ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Adventure Game Studio, welches den Nutzer in die Lage versetzt mit relativ viel Komfortfunktionen und einem übersichtlichen Scripting Grafikadventures im Stile der LucasArts- oder Sierra-Klassiker zu basteln. Möglicherweise auch ein Tool, was sich gut in der universitären Lehre einsetzen lässt – ich werde in der nächsten Zeit auf jeden Fall einen genaueren Blick darauf werfen.

Nach der Mittagspause folgte dann mein Vortrag über die Effizienzmessung bei Game-Interfaces mit der Unterstützung von Blickbewegungsanalysen am Beispiel des Vergleichs zweier Echtzeitstrategiespiele (Dune 2 & Dune 2000), einer Studie die von Stephan Bode im Rahmen seiner Abschlussarbeit durchgeführt wurde. Die Ergebnisse liessen keine Zweifel zu, dass das neuere Interface eine wesentlich effizientere Aufgabenerfüllung ermöglichte, was vor allem auf das Vorhandensein einer kontext-sensitiven Maussteuerung beim 6 Jahre jüngeren Spiel Dune 2000 zurückzuführen ist.

Im zweiten Vortrag unseres Lehrstuhls stellte Steffen Lohmann ebenfalls ein Laborexperiment vor, welches den Einfluss rationaler und emotionaler Faktoren auf die Entscheidungsfindung bei der Charakter- und Itemwahl in digitalen Spielen untersuchte. In der Studie wurden den Probanden zwei unterschiedlich attraktive Charaktere dargeboten, von denen einer gewählt werden sollte. Der weniger attraktive Charakter hatte in der dargebotenen Auswahlmöglichkeit jedoch die besseren Eigenschaftswerte, wäre also rein rational gesehen die bessere Wahl für das Spiel gewesen. Es zeigte sich jedoch, dass der deutlich attraktivere Charakter trotz der schlechteren Werte häufiger gewählt wurde. Leider lieferte die Kontrollgruppe, bei der nur die Werte der Charaktere ohne Bilder dargeboten wurden, keine signifikanten Unterschiede, was an unterschiedlichen möglichen Störfaktoren festgemacht wurde. Eine Folgestudie soll mögliche Störfaktoren isolieren und weitere spannende Ergebnisse liefern.

Es folgten weitere Vorträge zu Game Design Patterns, Storytelling in digitalen Spielen und zur Gestaltung von Game-Interfaces. Den Abschluss bildete ein interessanter Vortrag von Sven Jöckel von der TU Ilmenau, der über die Probleme der quantitativen und qualitativen Methoden der Medienwirkungsforschung zur Untersuchung von digitalen Spielen referierte und Ideen für einen Methodenverbund vorstellte, der bereits auf einer an der TU Ilmenau durchgeführten Lan-Party zu Forschungszwecken erprobt wurden.

Ein großer Dank geht an Frank Schumacher von der Uni Leipzig, der das Games Summer Camp organisierte und an beiden Tagen souverän durch das Tagungsprogramm führte!

Leipzig Tag 1: Games Summer Camp Kick-Off

Am heutigen Freitag startete das mittlerweile 3. Games Summer Camp auf dem Mediencampus der Villa Ida in Leipzig, welches bereits in den Vorjahren für mich die Games Convention – Woche einleitete. Passend zum Kick-Off gab René Meyer – Besitzer der weltweit größten Konsolensammlung und Gründer der Schreibfabrik.de - einen ausführlichen Abriss über gut 50 Jahre Computer- und Videospiele und die Entwicklung, die sie in der Zeit durchgemacht haben. Als einen der Meilensteine hob er zu meiner großen Freude das auch von mir sehr geschätzte Spiel “Dune 2” hervor, welches morgen auch Bestandteil meines Vortrags sein wird (dazu dann im morgigen Bericht mehr…).

Es folgten weitere interessante Beiträge beispielsweise zur digitalen Distribution von Computerspielen (Florian Schwarzer), zur Produktlinienentwicklung (Claudius Henrichs) und zu Themenfeldern der künstlichen Intelligenz. Abschluss bildete ein Vortrag vom “Games Summer Camp – Veteranen” Hendrik Wötzel, der den gesellschaftlichen Stellenwert von Computerspielen in Verbindung mit soziologischen Klassikern (u.a. anhand des Habitus-Begriffs von Pierre Bourdieu und der protestantischen Ethik nach Max Weber) diskutierte. Der Vortrag mündete in eine spannende Diskussion über das Kulturgut des digitalen Spiels und seine (bisher wenig genutzten) Möglichkeiten der kritischen Reflektion real-weltlicher Sachverhalte und Ereignisse (bis auf einige wenige Ausnahmen, wie beispielsweise einige Sequenzen aus Call of Duty 4, die einem erste Ideen geben, wie beispielsweise ein Anti-Kriegsspiel aussehen könnte…).

Am Abend gab es dann ein Get-Together in der Moritz-Bastei, bei der auch – wie könnte es anders sein – die Spiele ein Hauptgesprächsthema blieben…

8 Tage digitale Spiele in Leipzig

Heute reise ich nach Leipzig, da bereits morgen für mich das Vorprogramm der Games Convention beginnt. Am Freitag und Samstag findet das Games Summer Camp der Uni Leipzig statt, auf dem unser Lehrstuhl mit zwei Vorträgen vertreten ist. Am Montag dann geht es weiter mit der Games Convention Developers Conference, an die sich ab Mittwoch dann die Messe mit dem Fachbesuchertag anschließt. Kulturell wird natürlich auch etwas geboten: Am Mittwoch Abend macht die Video Games Live – Tour in Leipzig halt. Ich bin schon gespannt, ob dieses Konzert mit dem der vorherigen Jahre im Gewandhaus mithalten kann…

In den kommenden Tagen werde ich versuchen regelmäßig über die beiden Konferenzen und die Messe zu berichten und meine Eindrücke zu schildern.

CfP: Games Summer Camp in Leipzig

Am 15. und 16.8. findet auf dem Mediencampus der Universität Leipzig erneut das Games Summer Camp statt. Bis zum 14.7. können noch Beiträge eingereicht werden – sowohl Studierende als auch Experten sind dazu eingeladen sich mit einem Thema zu beteiligen. Für Studierende besonders attraktiv: Sie erhalten kostenlosen Zugang zur Games Convention Developers Conference, die vom 18.-20.8. stattfindet. Mehr Informationen zum Call gibt es hier.